Märkische Allgemeine vom 17.03.2008

Zupackend und zaubertraumhaft

Staatsorchester Frankfurt verwirklichte „Sinfonische Träume“ im Nikolaisaal

Modern und doch hörerfreundlich, verständlich und äußerst bildhaft in seinen musikalischen Erfindungen – das ist seit jeher das Markenzeichen des Tonsetzers Siegfried Matthus. Auch in seinen vor drei Jahren entstandenen „Phantastischen Zauberträumen“ für Saxophonquartett und großes Orchester blieb er sich und den Hörern treu. Die konnten sich an des Komponisten ungebrochenem Sinn für effektvolle Wirkungen, am Raffinement seiner brillanten Orchestrierung kaum satt hören, als das imponierende Klangmärchen beim 7. Sinfoniekonzert der Nikolaisaalreihe erklang. Ergo wurden Interpreten und anwesender Komponist enthusiastisch gefeiert. Diese mitreißende Wiedergabe war dem legendären amerikanischen Raschèr Saxophonquartett und einem vor Klangsinnlichkeit schier berstenden Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt unter der Leitung von Lior Shambadal zu danken.

   Zum Matthuschen Œuvre scheinen die Musiker ein besonders inniges Verhältnis zu haben, wie Aufführungen von des-sen Paukenkonzert „Der Wald“, der sinfonischen Zeitsuche „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit“ oder der Orchesterphantasie „Das Land Phantásien“ und anderer Stücke beachtenswert belegen. Nun also die klangfulminanten Begegnungen mit lieblichen Spukgestalten, tapferen Zauberern (wem fiele da nicht Harry Potter ein?!) und Abrechnungen mit ungehobelten Raufbolden, geistreichen Trotteln und arroganten Schönrednern. Wohin man auch hört: überall kichert, wispert, spukt, trappelt, grimassiert und knochenklappert es… Wahrlich ein schauerschönes Gruseln.

   Zwischen die sieben Phantasien sind „Zaubersprüche“ eingefügt, in denen die Raschèrs magisch-gleitende, aufgeregte, elegische und zauberzickige Wechselgespräche führen. Ansonsten geben sie als personifizierte Magier mit blastechnischer Brillanz, hinreißender Gestaltungsfreude und überbordender Musikalität dem Klanggeschehen ein unverwechselbares Kolorit. Lustvoll beschwören Sopransaxophon (Christine Rall) und Violine (Konzertmeister Juri Toschmakow) das Flair einer bauchtänzerisch geprägten Tausendundeiner Nacht. Zu einer motorisch geprägten, gleichsam ICE-rasanten Reise in das Land Phantásien wird wenig später eingeladen, mit Halt und Sightseeing an verschiedenen Traumstationen. Das plastische Musizieren findet seine Höhepunkte in den rabiaten, jazzorgiastischen Klangballungen, wo das schwere Blech nach Herzenslust dröhnt.  Am Berührendsten jedoch das schlichte „Schlaf- und Träumliedchen“, das als Jubelzugabe wiederholt wurde!


Peter Buske


zurück...